Sieben Mal 8.000

Das Bergsteigerehepaar Alix von Melle und Luis Stitzinger, beide im LOWA PRO Team, haben ihren siebten 8.000 ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen.

Alix von Melle und Luis Stitzinger am Gipfel des Manaslu (c)von Melle/Stitzinger

„Nach zwei expeditionsfreien Jahren, bedingt durch das große Erdbeben in Nepal (Anm.: damals mussten sie ihre Expedition auf der Nordseite des Mount Everest abbrechen) und Verletzungen, war der Manaslu ein gelungener Wiedereinstieg", ziehen von Melle und Stitzinger eine positive Bilanz. Mit der erfolgreichen Besteigung des Manaslu am 30. September hat das Paar insgesamt ihren siebten 8.000er-Gipfel erklommen – nach Cho Oyu (2000), Gasherbrum II (2006), Nanga Parbat (2008), Dhaulagiri (2009), Broad Peak (2011) und Shisha Pangma (2013).

Manaslu ist der neue Everest

135 Besteigungsgenehmigungen mit durchschnittlich acht bis zwölf Bergsteigern pro Team – so viele, wie noch nie zuvor – wurden laut dem Tourismusministerium in Nepal im Herbst 2017 an ausländische Expeditionen vergeben. Verhältnisse, wie man sie normalerweise nur vom Mount Everest kennt. „Wir nehmen an, dass sich in der Hochphase der Besteigung etwa 350 bis 500 Bergsteiger im Manaslu Basislager (4.900 m) aufhielten. Zum Glück haben die uns aber kaum gestört, da wir zeitlich etwas später dran waren und den Gipfel fast für uns allein hatten", sagt Luis Stitzinger.
Der plötzliche Ansturm lässt sich durch die provisorische Sperrung Tibets im Nachmonsun, mit den Gipfeln Cho Oyu und Shisha Pangma, die dem Manaslu normalerweise den Rang ablaufen, erklären. Aber auch damit, dass viele Veranstalter den Manaslu für sich als vermeintlich leichte Alternative entdeckt haben. Dabei ist der Berg alles andere als einfach. Zuletzt geriet er 2012 durch eines der größten Lawinenunglücke des Himalayas in die Schlagzeilen, bei dem elf Menschen verunglückten. Im gleichen Jahr hatten die chinesischen Behörden das erste Mal überraschend die Grenzen nach Tibet geschlossen und für einen Massenansturm am Berg gesorgt.
„Lawinengefahr war diese Saison aber kein Thema“, erklärt Alix von Melle. „Eine anhaltende Schönwetterphase sorgte für wenig Neuschnee und stabile Verhältnisse an dem sonst wettertechnisch so schwierigen Berg. Und vermutlich für einen neuen Besteigungsrekord.“ Doch die außergewöhnlichen Verhältnisse dürfe man nicht als normal ansehen. Zukünftig werde es auch wieder schneereichere Zeiten und drohende Lawinengefahr am „Berg der Seele" geben, wie der Manaslu übersetzt heißt.